Wir befinden uns im Jahr 1885. Carl Benz baute das erste benzingetriebene Fahrzeug überhaupt - den Patent-Motorwagen Nr. 3 - und schrieb damit Industriegeschichte. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach konstruierten den Reitwagen - das erste Motorrad mit Benzinmotor.
Samuel Langhorne Clemens - besser bekannt unter dem Pseudonym Mark Twain - schriftstellerte sich mit Huckleberry Finn zur Unsterblichkeit in die lachenden Herzen von Kindern und Erwachsenen.
Ein gutes Jahr also für historische Momente. Daran wird Friedrich Dierks, Sohn eines Husaren der Königlich Hannoverschen Armee, vermutlich nicht gedacht haben, als er den Grundstein für die heutige DIOSNA legte.
Willenskraft, Fleiß, Ideen und nur wenig mehr als eine Null hinter dem Vermerk Startkapital, standen auf des Gründers Liste, die man neudeutsch Businessplan nennen würde. Zusammen mit seinem Freund Justus Möllmann gründete er am 01.Oktober 1885 die Firma Dierks & Co. in Osnabrück. Entsprechend den Bedürfnissen jener Zeit wurden Maschinen für die Land- und Hauswirtschaft, sowie Öfen, Kochmaschinen und eiserne Gartenmöbel produziert. Bereits ein Jahr später erkannten die beiden Geschäftsleute aber die Vorzüge eines klar umrissenen "Produktportfolios". Man konzentrierte sich fortan auf die Entwicklung und Herstellung von Erzeugnissen für die Milchwirtschaft und für kleine Bäckereien.
Weltweit erster Hubkneter
Bereits wenige Jahre nach der Gründung beschäftigte sich das Unternehmen auch mit der Entwicklung von Teigzubereitungsmaschinen. Der Durchbruch gelang mit dem ersten Hubkneter überhaupt, der 1911 beim Kaiserlichen Patentamt angemeldet wurde. Damit war der Grundstein für die zukünftige Unternehmensausrichtung gelegt. Nach einigen, zum Teil schweren Rückschlägen, anlässlich des 1. und 2. Weltkrieges, entwickelte sich das Unternehmen, das inzwischen als Dierks & Söhne firmierte, ab 1951 sprunghaft nach oben. Allein bis 1958 konnte der Umsatz verfünffacht werden. Das brachte genügend Ertrag, um die Forschung und Entwicklung in moderne Teigzubereitungsmaschinen zu forcieren. Ermutigt durch die Erfolge zukunftsweisender Konstruktionen, stellte sich die Frage nach einer langfristigen Diversifikation. So entschloss man sich, einen Auftrag zur Entwicklung eines schnellen Mischers für die Kunststoffindustrie anzunehmen. Die Aufgabenstellung beinhaltete gewisse Parallelen zur Teigzubereitungstechnologie und der Kunststoffmarkt befand sich in einer viel versprechenden Anfangsphase. Der Erfolg gab der Entscheidung recht und bald darauf wurde auch die Pharmaindustrie auf das niedersächsische Unternehmen aufmerksam. Unter dem Markennamen "DIOSNA" (DIerks & Söhne OSNAbrück) setzte sich der Granuliermischer für pharmazeutische Produkte weltweit durch und die Sparte "Pharmazie" bildete sich zur zweiten Säule des Unternehmens aus.
Heutige Erfolgsprodukte heißen Hochdruckvorkneter Rapidojet®¹ und continoMIXX
Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und Präzision gehören nach Auffassung von Dr.-Ing. Wolfgang Eißer, der die Geschicke von DIOSNA seit 1997 lenkt, zur Pflichtaufgabe von Bäckereimaschinenherstellern. Die Kür beherrscht man heute jedoch mit der Integrationsfähigkeit in automatische Produktionsprozesse und mit der messbaren Effizienzsteigerung bei der Teigherstellung, so seine Aussage. Brot- und Backwaren werden zunehmend in automatisierten Verfahren produziert. Am Anfang sind die Zutaten – am Ende steht das fertige und frische Produkt. Dazwischen Produktionsanlagen verschiedener Hersteller, die nahtlos ineinander greifen müssen – mechanisch wie kommunikationstechnisch. Für diese Aufgabenstellungen, die hohe Produktionsleistungen und maximale Qualität verlangen, wurden konsequent neue Produkte entwickelt. Unter anderem der Hochdruckvorkneter Rapidojet®¹, der auf Basis der Grundidee von Dr. Bernhard Noll weiterentwickelt wurde und continoMIXX, die als Premiumanlage zur kontinuierlichen Teigherstellung konzipiert wurde.
DIOSNA beschreibt den Hochdruckvorkneter Rapidojet®¹ als Revolution in der Teigbereitung, denn mittels Hochdruck werden die Mehlpartikel optimal mit Wasser benetzt. Die Partikel verkleben und binnen Sekunden entsteht ein homogener Vorteig mit einer Maschinenleistung von bis zu 3.000 kg pro Stunde.
Beim continoMIXX werden die Rohstoffe in den Doppelschnecken-Mischer gegeben und dort bei gleichzeitiger Förderung vermischt. Die spezielle Werkzeuggeometrie sorgt hierbei für ein besonders kongruentes Mischergebnis. Über ein kontinuierliches Förderband gelangt der vorgemischte Teig zum Doppelschnecken-Kneter, der mittels asymmetrischer Werkzeuge ein besonders homogenes Kneten bei gleichzeitigem Weitertransport ermöglicht. Am Ende wird der fertige Teig an die nächste Weiterverarbeitungsstation abgegeben.
Beispielhaft für moderne Produktionsverfahren stehen auch die erfolgreichen Lineartransportsysteme, Karussell-Anlagen und Mittenentleerungsanlagen, die Diosna bereits seit einigen Jahren weltweit vermarktet.
Zukünftige Aufgaben bereits in der Realisation
„DIOSNA entwickelt sich vom reinen Maschinenbauer immer stärker zum Systemanbieter“, so Eißer. In enger Kooperation mit der Kundschaft werden im hauseigenen Technikum Rezepturen für die Serienproduktion optimiert. Das Wachsen an Aufgabenstellung ist für DIOSNA somit ein wichtiger Faktor für aktuelle und zukünftige Projekte. So sei erst kürzlich die Entwicklung einer Anlage zur Tortilla-Teigherstellung mit vollautomatischer Bottichentleerung gelungen. Die Handhabung des äußerst klebrigen Teiges bedingt einiger technischer Raffinessen, die selbst entwickelt wurden und nun verstärkt in Mittel- und Südamerika vermarktet werden sollen. Ebenfalls optimistisch hören sich seine Prognosen bezüglich der heimischen Backwarenindustrie an. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Backwaren werde wohl eher nicht steigen, dafür aber der Automatisierungsgrad in der Herstellung. Das wiederum führe zu einer profitableren Produktion bei steigender Qualität und sinkenden Kosten. Auch erwartet man bei DIOSNA einen spürbaren Zuwachs im asiatischen Raum. „Der Verbrauch pro Kopf ist zwar noch sehr niedrig, aber gemessen an der hohen Bevölkerungsdichte stellen sich die absoluten Zahlen schon jetzt sehr positiv dar. Addiert man noch das Wachstumspotenzial hinzu, kann sich Asien zum richtigen Erfolgsschlager entwickeln“, ist Eißer zuversichtlich.
Wem die Erfolgsstory von DIOSNA zu verdanken ist, weiß Eißer ganz genau. „Den wählerischen Kunden mit ihren exorbitant hohen Ansprüchen, den stets kritisch fragenden Geschäftspartnern und dem sehr freundschaftlichen Umgang miteinander“, schmunzelt Eißer.
¹Verwendet unter Lizenz von Herrn Dr. Bernhard Noll und ahk Service & Solutions GmbH, Schwaigern